Sthira und Sukha

Das Yoga Sutra des Patanjali

Juni 🪲 hoffentlich auch bald wetterweise. Im Sommer gibt es mehr Aktivität 🧗‍♂️ – in der Natur wie auch unter Menschen – gleichzeitig sind wir oft entspannter, wenn die Sonne mal richtig scheint oder uns gar ans Wasser 💦 🌊 ruft – ..ein Paradoxon? Gute Gelegenheit, sich mal über einen berühmten Hauptsatz des Yoga zu beugen..

Im Yoga Sutra (Yoga-Leitfaden) des sagenumwobenen Maharishi Patanjali (der in der Antike zu Zeiten der Griechen & Römer in Indien lebte) finden wir eine der ältesten Überlieferungen der Hatha Yoga-Tradition in schriftlicher Form. Lange Zeit wurde das Wissen über Meditation und unterschiedliche Yogapraktiken mündlich weitergegeben, auch bei Patanjali sind die Sutren knapp gehalten und wohl eher für den Übenden als Leitfaden gedacht. Eines der bekannteren Sutren ist Sutra 46 aus Buch zwei, sthira sukham asanam (Sanskrit), was übersetzt etwa heisst: „eine Asana ist fest & angenehm“. Sthira (entstammt dem Wort stha für stehen) bedeutet hier ‚fest, stabil’ oder ,kraftvoll‘. Sukha steht für ,wohl, angenehm, leicht, freudevoll‘ – ja ,entspannt‘. Schon auf den ersten Blick bemerkt frau*man hierin eine Gegensätzlichkeit, ganz in der Hatha Yoga- und Tantra-Tradition, die darauf zielt (scheinbare) Gegensätze in sich zu vereinen. Beim Yoga praktizieren, beim Anspannen oder Belasten holen wir die Reaktion des Sympathikus, beim Entspannen die des Parasympathikus unseres vegetativen Nervensystems ab…Keines von beiden ist wirklich ‘schlecht’ 🙂 hätten wir eines nicht, würde der Körper nicht funktionieren, aber sie sollen hier im Gleichgewicht wirken.

Worauf sollte ich beim Yoga laut Patanjali achten? Ich sollte fest, stabil, kraftvoll und gleichzeitig ruhig, wohl & angenehm sein. Ruhig-kraftvoll im Gleichgewicht. Sind wir in der Asana instabil, sind wir unruhig und nicht fest, wir brauchen viel Kraft um sie zu halten und Entspannung kann sich nicht ausbreiten. Stabilität ist eine Voraussetzung für Leichtigkeit. Oft brauchen wir um eine Asana richtig auszuführen nicht mehr & noch mehr Muskelkraft und Anstrengung, sondern die passende Haltung (Schwerpunkt), um mit der Schwerkraft zu gehen und um nicht gegen unseren Körper zu gehen. Das richtige ‚Alignment‘, und dann finde ich Stabilität, Festigkeit und daraus Leichtigkeit. Da spielt auch Ahimsa (Gewaltlosigkeit) mit rein – eines der obersten Gebote des Yogis – wir sollten „wohl, angenehm, freudevoll“ in der Asana sein. Kann ich in der Anspannung entspannen & loslassen, oder spüre ich gar Schmerz 😣 und Stress? Dieses wäre nicht Ahimsa, auch nicht sukha – und demzufolge auch nicht Yoga (Verbindung). Vieles auch in unserer Welt 🌍 ist aus dem Gleichgewicht – hier können wir üben im Kleinsten dieses heraus zu spüren: Festigkeit und gleichzeitig leicht; es braucht nicht unendlich viel Kraft, um die Asana zu halten, die kleinste mögliche Anstrengung, jedoch beherzt mit Feuer 🔥 Atem und Willen, aber noch immer freudig entspannt dabei, loslassen jedoch willentlich & aktiv.. eine eigentümliche Mischung aus meditativem Versenken & Zulassen und beherzter, belebender Aktivität.

Das Adjektiv sukha wurde damals auch für ein Gefährt verwendet, wenn der Wagen, das Wagen-Rad, die Nabe ruhig lief.. und nicht holperte; ,fest-stabil und gleichzeitig angenehm‘ bezeichnet vielleicht genau das – ,ich habe die „perfekte“ oder für mich passende Form gefunden‘.

Da wo sich ein Wohlgefühl ausbreitet, ich ‘easy’ bin, nicht mich (über-)anstrengen brauche – sondern der Körper sich im angenehmen Gleichgewicht fühlt..

..aus Sthira, Willen, Ziel, (durch)halten, Klarheit im Geist, Kraft, (Ein-)Atmen —- und aus Sukha, Freude, Sanftheit, Entspannung, (Aus-)Atmen..

Wenn es nicht holpert, ist es auch nicht im negativen Sinne anstrengend – wir können uns weiter reingeben und das Fahrgefühl wird noch berauschender sein. Manchmal erfährt frau*man in der Asana eine kleine Veränderung am Körper, ein kleines Suchen und flexibles Sich-Anpassen, und alles fällt urplötzlich in diese „perfekte“ Haltung von Gleichgewicht hinein. Selbst die Gedanken 💭 kann ich mehr & mehr hinwenden zum Körper, sie so stiller werden lassen, Raum schaffen, und in einen angenehmen „normalen Zustand“ fallen

Oft wird der Kopf im Alltag zur Unruhe getrieben, ob all der Möglichkeit und Bewegung um einen herum – der Körper ist dadurch ebenso unruhig, juckt und zuckt, es stellen sich mit der Zeit anhaltende Spannungen ein – frau*man kann den Körper so kaum ‘bequem & stabil’ erfahren und halten. Durch Yoga, Anspannen & Entspannen (Asana) und tiefer Atmen (Pranayama), werden die Spannungen etwas loslassen, mit dem Ziel wieder in diesen Zustand von ‚stabil & angenehm‘ zu finden.

Die Yogis haben auch gemerkt, wie neben einem verspannten Körper, einem unruhigen Geist, Stress, der zu Steifheit und Verspannungen führt, auch die Nahrung ihren Einfluss hat auf das physische (Wohl-)Befinden und auf die Fähigkeit in einen der Meditation zuträglichen Zustand der Ruhe zu kommen. Um einfacher ‚fest & angenehm’ zu fließen, achten die Yogis also auch auf die richtige Nahrung für den Geist, wie für den Körper.

Vielleicht lässt sich ‚sthira sukham asanam‘ von der Matte auch auf Situationen im Alltag übertragen.

Und schließlich lässt sich der Satz auch umkehren: eine Asana ist eine Haltung, die Festigkeit, Klarheit und körperliche Zufriedenheit vermittelt. Wenn wir also dahin kommen, haben wir Yoga gemacht

Veröffentlicht von patricwestyoga

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